Getrieben von wahrer Passion
AMG. Das A steht für Hans Werner Aufrecht,
das M für Erhard Melcher und das G für Großaspach, dem Geburtsort von Aufrecht. Autosport war in den 1960er-Jahren etwas für Adelige, Schauspieler und besonders Ambitionierte. Wie Aufrecht und Melcher, die angesichts alter Rennerfolge von Mercedes
Dampf machen wollten. Am 1. Juni 1967 eröffneten die beiden ein Tuning-Atelier für Mercedes Fahrzeuge. Der erste Rennerfolg folgte nur vier Jahre danach.
Die schnellste Serienlimousine der Welt, der Mercedes
300 SEL 6,3, hatte in den kundigen Händen der AMG Ingenieure noch einmal 500 Kubik drauf gepackt und aus den serienmäßigen 250 satte 428 PS gezaubert. Die Rennversion 300 SEL 6,8 pflügte 24 Stunden um den Kurs in Spa-Francorchamps, gewann ihre Klasse und belegte im Gesamtklassement den zweiten Platz.

Auch wenn AMG damals erst in homöopathischen Dosen Rennmotoren produzierte, wurde aus der Tuning-Werkstatt allmählich eine arrivierte Firma
für Renntrimm mit Straßenzulassung. Auch Resultate trugen zum rasch wachsenden Renommee bei:
450 SLC AMG − Tourenwagen-Europameister 1980,
der 300 E 5,6 AMG überfliegt als erste E-Klasse der Baureihe W 124 die Marke von 300 km/h. Aktuell ist
der Hammer wohl eher der SL 65 AMG Black Series. Schwarz wie die Nacht. Stark wie 670 Bären. Und Herr Newton spendiert satte 1.000 Meter Drehmoment. Natürlich ist das auch Mercedes-Benz. Aber was
für einer!
AMG prägte und prägt auch die DTM. Im Jahr 1992 beenden die AMG Boliden 16 von 24 Rennen auf Platz eins. Mit einem fein getunten Renn-Hammer gelingt es Ellen Lohr als bisher einziger Frau, einen DTM-Sieg herauszufahren. Das schlägt nicht nur in Rennsport-
kreisen positiv zu Buche.


Das Jahr 1999 war auch in anderer Hinsicht ein Meilenstein: Mercedes-Benz steigt bei AMG ein − die Mercedes-AMG GmbH entsteht. Es folgen „Hämmer“, die nicht mehr dem reinen Motortuning unterliegen. Komponenten wie Bremsen, Fahrwerk und Getriebe wie auch Steuer- und Regelsysteme werden über-
arbeitet und quasi „holistisch“ auf Leistung im edlen Gewand abgestimmt.
Ganz gleich ob S- oder M-Klasse, CLS-Klasse oder
G-Modell, Limousine oder Cabriolet, auch Diesel werden als rockige AMG Version auf schnelle Pneus gestellt. Die Liste der Erfolge − allein Bernd Schneider ist fünf Mal DTM-Champion auf AMG Fahrzeugen geworden − ist in etwa so lang wie die Zahl der prominenten Namen aus Sport bis Showbusiness, die in Affalterbach ein Performance-Fahrzeug bestellen. Was aus den AMG Performance Studios auf die Straße gelassen wird, ist Rennsport pur. Mit Straßenzulassung. Wie beim handverlesenen
CLK GTR. Oder beim SLK 55 AMG, dessen Gene
seit 2004 auf sportlichere Ambition geklont wurden.

Wenn die Luft an Deutschlands Stammtischen etwas dünner wird, weil so viel Power politisch nicht korrekt erscheint, bleiben die Anhänger von AMG gelassen. Ihre Boliden verfügen inzwischen fast ausnahmslos über verschiedene Modi der Fortbewegung. Das reicht vom kommoden Cruisen mit gurgelnden Acht- oder Zwölfzylindern bis hin zu Parametern, die nur für die Rennstrecke bestimmt sind.

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